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Happy Burnout - Plakat zum Film

HAPPY BURNOUT

(D, 2017)

Regie: Andre Erkau
Film-Länge: 102 Min.
 
  


 Kino-Start:
 27.04.2017

"Happy Burnout" - Handlung und Infos zum Film:


Sein entspanntes Dasein in seinem Kiez im Hamburger Schanzenviertel hat sich Fussel (Wotan Wilke Möhring) perfekt eingerichtet: Systemverweigerung hat der 43-jährige Alt-Punk zur Lebenskunst erhoben. Sie ist Teil einer ausgeklügelten Überlebensstrategie, die es ihm ermöglicht, mit dem denkbar geringsten Widerstand in den Tag hineinleben zu können. Dabei hat er sich einen jungenhaften Charme und eine entwaffnende Schlagfertigkeit bewahrt – sie lassen Fussel auch dann noch wie ein liebenswertes Schlitzohr wirken, wenn sich längst offenbart, dass er im Grunde nur ein Sozialschmarotzer ist, der auf Kosten anderer alle Fünfe gerade sein lässt und vor allem auf den eigenen Vorteil bedacht ist. Bisher ist es dem Filou gelungen, noch jeden – vor allem wenn es sich um Wesen weiblichen Geschlechts handelt – um den Finger zu wickeln und stets das zu bekommen, was er will: Die Hausmeisterin in seinem Mietshaus, die hübsche junge Frau, die er vor dem Supermarkt anquatscht, die Hundebesitzerin, der er gegen Belohnung ihren Hund zurückbringt, den er selbst gerade erst losgebunden hat. Und Frau Linde (Victoria Trauttmansdorff), seine Sachbearbeiterin im Arbeitsamt

Ihr gilt seine Charme-Offensive in besonderem Maße. Seit Jahren trägt Frau Linde Sorge dafür, dass Andreas Poschka – so Fussels bürgerlicher Name – als Langzeitarbeitsloser Hartz IV beziehen kann, ohne sich jemals auch nur im Entferntesten um eine neue Anstellung bemüht zu haben. Fussel berührt etwas in der sonst immer auf Korrektheit bedachten Beamtin, eine unerfüllte romantische Sehnsucht: Egal wie absurd und unglaubwürdig die Schwindeleien auch sein mögen, die Fussel ihr auftischt, Frau Linde hängt an seinen Lippen, ist ihm förmlich verfallen und möchte einfach glauben, was er ihr erzählt. Wobei ihr stets bewusst ist, dass sie sich mit ihrer Schwärmerei auf dünnstes Eis begibt. Im Falle einer internen Untersuchung würde sie sofort auffliegen. Viel zu offensichtlich ist, dass sie in diesem einen Fall jegliche kritische Distanz verloren hat.

Genau eine solche interne Prüfung ist es nun, die Frau Linde dazu zwingt, aktiv zu werden. Um nicht selbst in Teufels Küche zu geraten und Fussel weiterhin im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu unterstützen, vermittelt sie ihm etwas Neues, das beide ihren Kopf aus der Schlinge ziehen lässt: Ein Arbeitsunfähigkeits-Attest. Diagnose: Burnout, Samt Therapie in einer stationären Klinik. So wird der chaotische Tunichtgut von einem Tag auf den anderen aus seinem traumhaft ungeregelten Alltag gerissen und findet sich zwischen echten Ausgebrannten wieder, den Gestrandeten einer Gesellschaft im Effizienzwahn.

Fussels unorthodoxe Art fällt sofort auf in der gediegenen Atmosphäre der zum Sanatorium umgestalteten Schlossanlage, in der der Punk wie ein absoluter Fremdkörper wirkt, ein Deplatzierter in einer Welt, die ihm sichtlich nicht gefällt. Die Psychologin Alexandra (Anke Engelke) lässt sich indes nicht einschüchtern von Fussels aufreizend ablehnendem Auftreten. Sie ist ebenso schlagfertig und ausgekocht wie er – was ihm ziemlich gut gefällt, auch wenn er es niemals zugeben würde. In dem ihm zugewiesenen Zimmer lernt er seinen Zimmergenossen kennen: Der etwa 60-jährige Günther (Michael Wittenborn) war erfolgreicher Besitzer mehrerer Sonnenstudios, jetzt sitzt er völlig apathisch da mit knallrotem, grotesk verbranntem Gesicht, alles Leben scheint aus ihm gewichen. Sein Händedruck ist läppisch, seine Antworten einsilbig.

Aber auch die anderen Insassen der Anstalt haben es in sich: Der 30-jährige Datty (Kostja Ullmann) war früher Kinder-Entertainer – bis er bei einer seiner Aufführungen vor versammeltem Kinderpublikum einen Nervenzusammenbruch erlitt. Jetzt trägt er immer noch seine Handpuppe bei sich, die Medium für seinen unerklärlichen Zorn ist, der immer wieder aufflammt und unkontrolliert aus Datty herausbricht. Die überforderte Hausfrau und Mutter Merle (Julia Koschitz) wurde von ihrem Alltag in die Knie gezwungen, und der obsessive Immobilienmakler Anatol (Torben Liebrecht) kann auch im Sanatorium noch nicht abschalten und nervt mit seiner Pedanterie.

Für Fussel steht fest, dass er im Irrenhaus gelandet ist – und schnell wieder weg muss. Doch das ist leichter gesagt als getan, denn Fussel steht unter Beobachtung, und halbherzige Versuche, wirklich abzuhauen, scheitern kläglich. Klinikleiterin Professor Gunst (Ulrike Krumbiegel) gibt ihrem neuen Patienten unmissverständlich zu erkennen, sie sei gar nicht so überzeugt, dass Fussel wirklich unter Burnout leidet. Im Gegenteil, sie setzt ihn unter Druck: Wenn er sich nicht bereit erklärt, das Klinikteam "undercover" zu unterstützen und seinen Mitpatienten bei ihrer Genesung zu helfen, lässt sie sein falsches Spiel auffliegen. Zudem spricht sie einen wunden Punkt an, den Fussel bislang stets erfolgreich verdrängt hat: Offensichtlich wurde ihm der Kontakt zu seiner Tochter untersagt, was unterbewusst kräftig an ihm nagt. Ganz so einfach kann sich nicht einmal mehr Fussel aus jeder Verantwortung stehlen.

Nun befindet er sich in einer Zwickmühle: Er will unbedingt weg, ist aber gezwungen, zunächst in der Anstalt zu bleiben, bis ihm ein Ausweg einfällt, der ihn nicht seine komplette Existenz kostet. Also sieht und hört er zu, was um ihn herum passiert, immer genauer. Und je mehr er die anderen Insassen kennenlernt, desto besser beginnt er, sie zu verstehen, ihre Nöte, ihre Sehnsüchte, ihre Ängste. Bis irgendwann gar nicht mehr so klar ist, wer hier eigentlich wen therapiert, wer wirklich Hilfe braucht und worum es am Ende des Tages tatsächlich geht. In der Therapie. Und im echten Leben...

Autor/Bearbeitung: Frank Ehrlacher

Update: 15.04.2017

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